Tuesday, 3. january 2012
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22:15
Demokratisch verfasstes Staatswesen, dass nur dem Schein nach existiert,
tatsächlich aber von (meist ausländischen) Mächten kontrolliert wird,
die dazu nicht durch die Bevölkerung des betreffenden Landes
legitimiert sind. Beispiel: Bundesrepublik Deutschland im 21. Jahrhundert,
Ratingagenturen und Regierungen der Vereinigten Staaten stritten sich
zeitweise um die Vorherrschaft über diesen Vasallenstaat.
von Artur Seidel
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veröffentlicht in: politisches
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Thursday, 13. october 2011
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19:40
Wenn mir jemand, den ich bis dahin zu kennen geglaubt habe, erzählt, er habe einen Monat lang kein Lebenszeichen von sich geben können, weil er "solchen Stress"
gehabt habe, stelle ich fest, dass ich reagiere, als hätte er mir gesagt, er habe die Lepra. Doch das ist nicht ganz richtig. Hätte er mir gesagt, dass er die Lepra habe, würde ich mich nicht aus
dem Staub machen, sondern ihm beistehen. Jemandem, der Stress hat, kann man aber nicht beistehen. Denn Gestresste haben mit Leprakranken eines gemeinsam: sie leben in Kolonien von Menschen mit
dem gleichen Gebrechen; sie sind stets von anderen Gestressten umgeben. Dort sind sie für alle anderen unerreichbar.
Das Schweizer Fernsehen hat einmal eine tibetische Familie begleitet, die für zwei Wochen bei einer schweizer Familie zu Gast war. Die Tibeter wussten die Vorzüge
der Zivilisation zu schätzen, hätten sie aber um nichts auf der Welt gegen ihr eigenes Leben eintauschen wollen, so körperlich anstrengend und entbehrungsreich es auch sei. Denn sie hatten etwas,
wsa den Schweizern fehlte und das ihnen als höchstes aller Güter erschien: Zeit für einander. Das beweist zur Genüge, dass kein Mensch vor die Wahl gestellt, sich der westlichen Zivilisation
anzuschließen, sich dafür entscheiden würde. Nur dass die Zivilisation schleichend über die Menschen selbst in den entlegendsten Teilen der Erde kommt, schleichend wie eine Seuche oder ein
langsam wirkendes Gift, das aus mehreren Komponenten zusammengesetzt ist. Jede einzelne dieser Komponenten erscheint für sich genommen harmlos, ja sogar nützlich und hilfreich, und ist es
vermutlich auch (elektrisches Licht, fließend Wasser, Medizin z.B.).
Alle zusammen aber ergeben einen Wirkstoff, der ein menschenwürdiges Leben unmöglich macht. Was dem zivilisierten Menschen bleibt ist zu funktionieren wie eine
Pflanze. Die Zivilisation wirft den Menschen also noch hinter die Entwicklungsstufe zurück, die Tiere wie Ameisen, Würmer oder gar Ratten erreicht haben! Wenn Ihnen also das nächste Mal ein
Freund sagt, er habe Stress, hören Sie darauf, was Ihnen ihr Selbsterhaltungstrieb sagt, und laufen Sie, so weit Sie ihre Füße tragen! Ach ja, und noch etwas: wenn Ihnen jemand etwas von
positivem Stress erzählen sollte (und irgend jemand wird das früher oder später tun), überlegen Sie einmal: gibt es positive Lepra?
von Artur Seidel
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veröffentlicht in: satyrisches
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Saturday, 1. october 2011
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13:18
Viele deutsche und europäische Produkte sind auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig, weil sie in China günstiger produziert werden können. Ein Grund hierfür sind
die niedrigen Lohnkosten in China. Es läge also im Interesse deutscher Arbeiter und mittelständischer Unternehmer, die chinesischen Arbeiter im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und höhere
Löhne zu unterstützen. Im Interesse der internationalen Konzerne, die in China produzieren, liegt dies allerdings nicht, weil dies ihren eigenen Profit schmälern würde. Der Kampf der deutschen
Arbeiter mit den deutschen Arbeitgebern findet heute also in China statt. All dies gilt allerdings nur, solange die chinesischen Produzenten die westlichen noch nicht überrundet haben (z.B. im
Bau von PKW mit Elektro- oder Hybridantrieb). Dann werden die Großunternehmen im gleichen Boot sitze wie die Arbeiter und mittelständischen Unternehmer Deutschlands.
von Artur Seidel
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Saturday, 7. may 2011
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17:19
Im 19. Jahrhundert wurden Kinder ganz selbstverständlich zur Arbeit herangezogen. Dies war auch in der Zeit, als die meisten Menschen von landwirtschaftlicher Tätigkeit lebten, üblich gewesen.
Heute wird Kinderarbeit in Ländern geächtet, die sich selbt als entwickelt bezeichnen. Doch warum, weil sie falsch ist? Was sich in der Zwischenzeit verändert hat, ist die Grundlage des
Wohlstandes. Im 19. Jahrhundert war diese Grundlage die Produktion. Heute ist es der Konsum. Die Produktion ist unterdessen in weniger entwickelte Länder abgewandert, die man als
'Schwellenländer' bezeichnet. Dort grasiert die Kinderarbeit, die hier abgeschafft ist. Hier sieht man dafür Kinder auf der Straße, die wie Erwachsene gekleidet sind. Und Firmen machen es sich
zum Ziel, alle Produkte, die Erwachsene konsumieren, auch für Kinder verfügbar zu machen. Welche Konsequenzen hat das Verbot der Kinderarbeit also für die Kinder in entwickelten Ländern? Während
sie im 19. Jahrhundert nicht früh genug Arbeitskräfte werden konnten, können sie heute nicht früh genug Konsumenten werden. Hat diese Entwicklung ihnen also eine unbeschwerte Kindheit beschert?
Ist die Kindheit dadurch zu einem Freiraum gerworden? Die letzte Frage kann bejaht werden. Die Kindheit wurde durch das ersetzen der Kinderarbeit durch den Kinderkonsum zu einem Raum , indem
Kinder frei entscheiden können, welche Hose oder welches Sweatshirt ihre Eltern kaufen sollen - freilich nicht, ob sie etwas kaufen sollen. Aber letztere Freiheit haben 'erwachsene' Konsumenten
ja auch nicht wirklich. Wenn wir also auf Länder herabblicken, in denen Kinderarbeit (noch) existiert, tun wir das zwar mit moralischen Habitus. Der Grund dafür, das wir diese Länder verurteilen,
liegt aber eher darin, dass sie arm sind. Die Kinderarbeit ist nur ein Zeichen dieser Armut, ein Stigma.
von Artur Seidel
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veröffentlicht in: politisches
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Thursday, 14. april 2011
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21:19
Afrika wird für Europa als Exportmarkt zunehmend wichtiger. Mit billigen, von der EU subventionierten Landwirtschaftsprodukten wird dabei die afrikanische Industrie und Landwirtschaft ruiniert.
Dadurch werden Arbeitsplätze in Afrika vernichtet, was zwei Konsequenzen hat. Erstens versuchen immer mehr Afrikaner nach Europa zu gelangen, weil sie in ihrer Heimat kein Auskommen mehr finden.
Es stellt sich die Frage, ob die Verteilung von Flyern und das Aufhängen von Plakaten in westafrikanischen Ländern, die die Einheimischen dort durch die drastische Darstellung der Gefahren der
Überfahrt nach Europa von dieser abhalten sollen, zynisch oder nur lächerlich zu nennen ist. Die zweite, langfristigere Folge ist das Platzen der Exportblase. Das Prinzip, dem diese folgt, ist
das gleiche wie im Fall der Immobilienblase, deren Platzen die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst hat. Banken vergaben Immobilien-Kredite an Menschen, von denen sie wussten, dass sie
die Raten früher oder später höchstwahrscheinlich nicht mehr würden zahlen können. Die Hoffnung der Banken bestand darin, dass dieser Punkt möglichst spät kommen würde, die Banken bis dahin
möglichst viel verdient haben würden und zu systemrelevant wären, um liquidiert zu werden. Diese Hoffnungen wurden im Fall der meisten Banken erfüllt.
Die Exporteure, die die Exportblase aufpumpen - und das gilt für nordamerikanische Firmen genauso wie für europäische - kalkulieren nicht anders. Wenn die Exporte in Afrika Arbeitsplätze
zerstören, kommt früher oder später der Punkt, an dem die Kaufkraft der Afrikaner nicht mehr ausreicht, um europäische Produkte zu kaufen. Dann wird der Exportmarkt zusammenbrechen und noch mehr
Afrikaner werden versuchen, nach Europa zu gelangen. Das Bevölkerungswachstum des afrikanischen Kontinents ist dabei noch nicht mit eingerechnet. Die Rechnung der Europäer ist, dass dieser Fall
möglichst spät eintreten und Europa bis dahin so hoch gerüstet sein wird, dass seine Waffengewalt ausreichen wird, um zu verhindern, dass die Afrikaner sich ihr Geld zurückholen. Im 21.
Jahrhundert wird nicht derjenige die meiste Macht besitzen, der das meiste Geld ausgiebt oder verleiht. Die mächtigste Nation wird diejenige sein, die die Waffenkraft besitzt, um ihre Gläubiger
und geprellten Kunden davon abzuhalten, sich ihr Geld zurückzuholen! Die Macht wird bei denen liegen, die es verstehen, ohne Reue auf Pump zu leben. Afrika ist einer der wichtigsten Kunden
Europas, aber Europa hat die Schiffe, die Zäune und die Waffen! China mag der größte Gläubiger der USA sein, aber die USA haben die schlagkräftigste Armee der Welt. Zudem verfügen auch sie über
eine hochsubventionierte Landwirtschaft, die das produziert, was in China in einigen Jahrzehnten kostbarer sein wird als Öl und man auch nicht in noch so vielen Atomkraftwerken herstellen kann:
Nahrungsmittel.
von Artur Seidel
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veröffentlicht in: politisches
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