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Auch bei olympischen Spielen erweisen sich Nationen wie China, Russland oder die USA als derart unhöflich, dass sie der großen deutschen Sportnation einfach nicht den ersten Rang einräumen wollen. Auf wirtschaftlichem Gebiet sieht es nicht besser aus: dieses armselige Amerika und mikrige Natiönchen wie China wiegern sich hartnäckig, den Deutschen den ersten Platz im internationalen Wettbewerb einzuräumen, der ihnen gebürt. Die Deutschen können einem schon Leid tun: sie können im Grunde alles, sind Kriegsnation, Sportnation, Partynation, Exportweltmeister und trotzdem will diese furchtbar irrationale Welt einfach nicht reagieren, wie man es von ihr erwartet. Wenn schon die Deutschen sich die Welt nicht erklären können, muss sie wirklich unerklärlich sein! Sie haben alles richtig gemacht und trotzdem geht es ihnen nur sehr gut! Alles in allem kann man als Außenstehender aber immerhin feststellen, dass die Deutschen bei ihrem unausgesetzten Versuch, die Welt zu bemeistern, mittlerweile eher drollig als bedrohlich wirken.
Dieses Taumeln von Resignation zu Rausch und wieder zurück macht auch ein Phänomen wie Friedrich Nietzsche besser verständlich. Der Ärmste wollte so undeutsch sein wie nur möglich. Bedenkt man den Hang des Deutschen zur Überkorrektheit und Vorsicht, so wird eine Aufforderung wie die, sein Haus an den Hängen des Vesuv zu bauen, vor diesem Hintergrund verständlich. Und doch ist die Sache ambivalent. Zum einen ruft Neitzsche damit dazu auf, so undeutsch wie nur möglich zu sein, zum andern ist aber gerade das - in gewissen Abständen - für die Deutschen typisch, nämlich immer dann, wenn sie wieder gerade durch einen kollektiven Taumel aus ihrer privaten Resignation gerissen werden! Es ist wahr, was Elias Canetti in "Masse und Macht" über die Deutschen sagte, ihr nationales Symbol (oder "Massensymbol" wie er es nannte) ist das Heer! In unregelmässigen Abständen kommt man zusammen. Man zieht in die Schlacht, welcher Art diese auch sein und auf welchem Feld sie auch immer stattfinden mag (Sport, Wirtschaft u.a.), und kehrt schließlich nach Hause zurück, jeder in sein Dorf, in seine Hütte. Entweder kehrt man als Sieger heim, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, bald wieder auszuziehen oder man kehrt als Besiegter nach Hause zurück. Im letzten Falle bleibt ein jeder für sich, leckt seine Wunden und will von Unternehmungen - welcher Art auch immer - erst einmal nichts wissen. Im Schatten der Schmach seiner Niederlage hält er alle Vorhaben bereits im Stadium des Planes für so gut wie gescheitert. Wenn man also einen Deutschen trifft, so sollte man nichts so heiß (oder kalt) essen, wie er es einem serviert. An dem, was ein Deutscher sagt, ist immer etwas dran, man muss sich nur die Zeit lassen, es zu finden.
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